Der Schlüssel zum Schulerfolg

Was ist Bildungssprache?

Die sichere Beherrschung der Bildungssprache ist entscheidend für den Erfolg im deutschen Bildungssystem. Erfahren Sie, warum sie so wichtig ist und wie wir Kindern helfen, sie zu erlernen.

Definition: Was bedeutet Bildungssprache?

Die Bildungssprache (auch: akademische Sprache, schulische Bildungssprache oder deutsche Bildungssprache) ist die dominante Sprache in deutschen Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen. Sie unterscheidet sich fundamental von der Alltagssprache (Umgangssprache, familiäre Sprache), die Kinder spielerisch in ihrem sozialen Umfeld erlernen.

Kernmerkmale der Bildungssprache:

  • Vollständige, komplexe Satzstrukturen (Hauptsätze, Nebensätze, Schachtelsätze)
  • Präziser, abstrakter Wortschatz (Fachterminologie, bildungssprachliche Ausdrücke)
  • Exakte Grammatik und Kasusendungen (Genitiv, Dativ, Akkusativ, Nominativ)
  • Abstrakte, decontextualisierte Ausdrucksweise (nicht situationsgebunden)
  • Logisch-strukturierte Argumentation (Kohäsion, Kohärenz)

Anders als die Alltagssprache, die meist informell, emotional und situationsgebunden ist, folgt die Bildungssprache strikten Regeln der Grammatik, Logik und Präzision. Sie wird in Schulbüchern, Fachtexten, Prüfungen und wissenschaftlichen Arbeiten verwendet.

Warum ist Bildungssprache so wichtig?

Die sichere Beherrschung der Bildungssprache ist der entscheidende Schlüssel zum Schulerfolg im deutschen Bildungssystem. Ohne Bildungssprache ist fachliches Lernen unmöglich:

Lesen und Verstehen

Schulbücher, Fachtexte und Prüfungsaufgaben können ohne Bildungssprache nicht adäquat verstanden werden.

Schreiben

Aufsätze, Referate und wissenschaftliche Arbeiten erfordern die Beherrschung der Bildungssprache.

Präsentieren

Mündliche Prüfungsleistungen und berufliche Kommunikation setzen bildungssprachliche Kompetenz voraus.

Hochschulzugang

Der Zugang zu Hochschulen und akademische Karrieren sind ohne Bildungssprache kaum möglich.

Beruflicher Erfolg

Verbesserte Kommunikationsfähigkeiten durch Bildungssprache fördern die Berufschancen.

Lebenslanges Lernen

Bildungssprache ist die Grundlage für kontinuierliches Lernen und Weiterbildung.

Studien zeigen: Kinder, die die Bildungssprache nicht beherrschen, haben deutlich schlechtere Chancen auf Bildungserfolg - unabhängig von ihrer Intelligenz oder ihrem sonstigen Potenzial.

Das Basiskonzept Bildungssprachliche Kommunikation

Die Arbeit von InSL e.V. basiert auf dem Basiskonzept Bildungssprachliche Kommunikation nach Professorin Dr. Ingrid Gogolin (Hamburg) und dem Kolleg Kommunikation und Sprache (Kokos).

01

Durchgängige Sprachbildung

Sprachförderung muss alle Schulstufen umfassen – von der Grundschule über die Sekundarstufe I bis zur Sekundarstufe II und Hochschule.

Sprachbildung ist kein einmaliges Event, sondern ein lebenslanger Prozess. Jedes Kind muss entlang seiner gesamten Bildungsbiografie begleitet werden.

02

Integrierte Sprachbildung

Sprache wird nicht isoliert unterrichtet, sondern in allen Fachunterrichten integriert:

  • Deutschunterricht: Sprachreflexion, Grammatik
  • Sachunterricht: Fachwortschatz
  • Mathematik: Mathematische Fachsprache
  • Naturwissenschaften: Experimente beschreiben, Hypothesen formulieren
  • Geschichte, Geografie, Politik: Analysieren, argumentieren
03

Professionsübergreifende Sprachbildung

Alle Lehrkräfte sind verantwortlich für Sprachbildung – nicht nur Deutschlehrer.

Sprachsensibler Fachunterricht ist essentiell: Jede Lehrkraft muss die sprachlichen Anforderungen ihres Faches erkennen und die entsprechenden Kompetenzen vermitteln.

Sprachbildung für verschiedene Zielgruppen

Kinder mit Migrationshintergrund

  • Mehrsprachigkeit als Ressource anerkennen
  • Deutsch als Zweitsprache (DaZ) systematisch fördern
  • Interkulturelle Bildung integrieren

Kinder aus bildungsfernen Haushalten

  • Defizitorientierte Sichtweise überwinden
  • Bildungssprache systematisch vermitteln
  • Chancengerechtigkeit herstellen

Hochbegabte Kinder

  • Komplexe sprachliche Strukturen früh einführen
  • Abstraktes Denken durch Sprache fördern
  • Individuelle Förderung anbieten

Der Unterschied: Sprachförderung vs. Sprachbildung

Traditionelle Sprachförderung Moderne Sprachbildung
Fokus auf Defizite Fokus auf Entwicklungspotenzial aller Schüler
Unterstützung für "schwache" Schüler Systematischer Erwerb der Bildungssprache für alle
Einzelmaßnahmen Durchgängiges Konzept für alle
Mehrsprachigkeit als Problem gesehen Respekt vor Mehrsprachigkeit

Wissenschaftliche Grundlagen

Die Arbeit von InSL basiert auf aktuellen Forschungsergebnissen aus:

  • Linguistik (Soziolinguistik, Bildungssprachliche Linguistik)
  • Spracherwerbsforschung
  • Sprachdidaktik
  • Mehrsprachigkeitsforschung

Zentrale Publikationen und Konzepte:

  • Gogolin, I. & Lange, I. (2011): Bildungssprachliche Kommunikation
  • Leisen, M. (2010): Handbuch Sprachförderung im Fach
  • Thürmann, E., Vollmer, H. & Pieper, I. (2010): Language Education in Policy and Practice
  • Duarte, J. & Gogolin, I. (2013): Sprachliche Bildung für mehrsprachige Schülerinnen und Schüler

Hilfe bei der Bildungssprache?

Wir begleiten Kinder auf ihrem Weg zur sicheren Beherrschung der Bildungssprache - individuell und professionell.