Alltagssprache (BICS)
Wird schnell erworben (1-2 Jahre). Kontextgebunden, informell, situativ. Ausreichend für den Alltag, aber nicht für die Schule.
Grundlagen und Wege der gezielten Sprachförderung
Deutsch als Zweitsprache (DaZ) bezeichnet den Erwerb der deutschen Sprache durch Personen, die eine andere Erstsprache (Muttersprache) haben und in einem deutschsprachigen Umfeld 🇩🇪🇦🇹🇨🇭 leben. Im Gegensatz zum Fremdsprachenlernen findet der DaZ-Erwerb im alltäglichen Kontakt mit der deutschen Sprache statt - in der Schule, auf dem Spielplatz, beim Einkaufen oder am Arbeitsplatz.
DaZ-Lernende sind in Deutschland aufgewachsene Kinder mit Migrationshintergrund, zugewanderte Familien oder Erwachsene, die dauerhaft in Deutschland leben. Sie sind täglich von der deutschen Sprache umgeben und erwerben sie sowohl gesteuert (im Unterricht) als auch ungesteuert (im Alltag). Dieser permanente Sprachkontakt unterscheidet DaZ grundlegend von Deutsch als Fremdsprache (DaF).
Der Begriff DaZ gilt insbesondere für in Deutschland lebende Geflüchtete, Aussiedler und Spätaussiedler, Arbeitsmigranten sowie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, sofern Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. In Verbindung mit der Arbeitsmigration der 1960er und 1970er Jahre löste DaZ die früher üblichen Bezeichnungen wie „Gastarbeiterdeutsch" ab und etablierte sich als eigenständiges Fachgebiet in Sprachwissenschaft und Pädagogik.
Das Fachgebiet Deutsch als Fremd- und Zweitsprache entwickelte sich Ende der 1960er Jahre aus zwei Gründen: Zum einen stieg die Zahl ausländischer Studierender in der Bundesrepublik und der DDR, zum anderen nahm die Migration nach Deutschland zu. 1956 wurde das Institut für Ausländerstudium an der Universität Leipzig gegründet, aus dem später das Herder-Institut hervorging. Den ersten Lehrstuhl für DaF besetzte Gerhard Helbig in den 1960er Jahren. Heute kartiert die Arbeitsstelle Kleine Fächer 36 eigenständige Lehrstühle an 23 deutschen Universitäten. Mehr als 50 Hochschulen bieten Studiengänge in DaF oder DaZ an.
Die Begriffe Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Deutsch als Fremdsprache (DaF) werden häufig verwechselt oder synonym verwendet. In der Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik gibt es jedoch wesentliche Unterschiede, die sich direkt auf die Methodik und die Lernziele auswirken. Laut einer Studie von Goethe-Institut, DAAD und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen lernen weltweit rund 15,4 Millionen Menschen Deutsch als Fremdsprache. Mit etwa 18 Prozent der Muttersprachler ist Deutsch die verbreitetste Muttersprache in der Europäischen Union und zusammen mit Französisch die zweithäufigste Fremdsprache.
| Deutsch als Zweitsprache (DaZ) |
Deutsch als Fremdsprache (DaF) |
|---|---|
| Erwerb im deutschsprachigen Land (z. B. Kinder in deutschen Schulen) | Erlernen im Ausland (z. B. Deutschunterricht in Frankreich oder Japan) |
| Täglicher Kontakt mit der deutschen Sprache in Alltag, Schule und Beruf | Kontakt überwiegend im Unterricht, wenig Alltagskontakt |
| Gesteuerter und ungesteuerter Erwerb gleichzeitig | Überwiegend gesteuerter Erwerb im Klassenraum |
| Deutsch wird für Bildung, Beruf und Teilhabe unmittelbar gebraucht | Deutsch als zusätzliche Kompetenz, nicht existenziell notwendig |
| Ziel: Bildungssprachliche Kompetenz und gesellschaftliche Integration | Ziel: Kommunikative Kompetenz für Reise, Studium oder Beruf im Ausland |
| Lernende sind heterogen (verschiedene Erstsprachen, Bildungsniveaus, Alter) | Lerngruppen oft homogener (gleiche Erstsprache, ähnliches Niveau) |
Warum ist der Unterschied wichtig? DaZ-Lernende brauchen andere didaktische Ansätze als DaF-Lernende. Während DaF-Lehrwerke für einen strukturierten Fremdsprachenunterricht konzipiert sind, muss DaZ-Unterricht die Alltagserfahrungen der Lernenden einbeziehen, sprachliche Heterogenität berücksichtigen und den Weg zur Bildungssprache ebnen.
Für DaZ-Lernende stellt der Erwerb der Bildungssprache eine besondere Herausforderung dar. Während die Alltagssprache (auch: BICS - Basic Interpersonal Communication Skills) oft schon nach ein bis zwei Jahren auf einem guten Niveau ist, dauert der Erwerb der Bildungssprache (auch: CALP - Cognitive Academic Language Proficiency) in der Regel fünf bis sieben Jahre.
Das bedeutet: Ein Kind, das flüssig Deutsch spricht und sich mühelos auf dem Schulhof verständigt, kann trotzdem im Unterricht scheitern, weil die bildungssprachlichen Kompetenzen fehlen. Genau hier setzt die Arbeit von InSL e.V. an.
Wird schnell erworben (1-2 Jahre). Kontextgebunden, informell, situativ. Ausreichend für den Alltag, aber nicht für die Schule.
Braucht deutlich länger (5-7 Jahre). Kontextunabhängig, abstrakt, formal. Entscheidend für schulischen Erfolg.
Der Erwerb von Deutsch als Zweitsprache verläuft nicht zufällig, sondern folgt bestimmten Erwerbsstufen. Unabhängig von der Erstsprache durchlaufen DaZ-Lernende ähnliche Phasen, die sich in Grammatik, Wortschatz und Satzstruktur widerspiegeln.
Lernende verwenden einzelne Wörter und feste Wendungen wie "Ich heiße ...", "Danke" oder "Wie geht's?". Diese Phase bildet die Grundlage für den weiteren Erwerb.
Es entstehen erste Subjekt-Verb-Objekt-Sätze: "Ich gehe Schule", "Mama macht Essen". Die Verbstellung ist noch nicht korrekt, Artikel und Kasusendungen fehlen häufig.
Lernende beginnen, die deutsche Satzklammer zu verwenden ("Ich habe gestern Fußball gespielt") und erste Nebensätze zu bilden ("..., weil ich Hunger habe"). Dies ist ein zentraler Schritt auf dem Weg zur Bildungssprache.
In der fortgeschrittenen Phase werden Passivkonstruktionen, Konjunktive, erweiterte Nominalphrasen und Fachbegriffe erworben. Dies ist die Voraussetzung für die Teilnahme am bildungssprachlichen Diskurs in Schule und Beruf.
Lange wurde Mehrsprachigkeit als Hindernis betrachtet. Die moderne Sprachwissenschaft zeigt jedoch: Mehrsprachigkeit ist eine Ressource. Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, entwickeln häufig ein besseres Sprachbewusstsein und können Sprachstrukturen leichter vergleichen und verstehen.
InSL e.V. folgt dem Basiskonzept Bildungssprachliche Kommunikation (BiKo) nach Professorin Ingrid Gogolin, das Mehrsprachigkeit explizit als Ressource anerkennt. In unseren Sprachkursen für Kinder und Erwachsene wird die Erstsprache nicht als Defizit betrachtet, sondern als Grundlage für den Deutscherwerb wertgeschätzt.
InSL e.V. verbindet DaZ-Förderung mit dem Erwerb der Bildungssprache. Unser Ansatz geht über reine Sprachvermittlung hinaus: Wir fördern die durchgängige Sprachbildung - von der Alltagssprache über die Fachsprache bis zur Bildungssprache.
Wirksame DaZ-Förderung basiert auf wissenschaftlich fundierten Methoden. InSL e.V. setzt auf das Basiskonzept BiKo und verbindet verschiedene Ansätze:
Sprachförderung als kontinuierlicher Prozess über alle Bildungsstufen hinweg - nicht als isolierte Einzelmaßnahme.
Sprache wird nicht isoliert, sondern im Kontext von Fachinhalten vermittelt. So entsteht bildungssprachliche Kompetenz.
Die Erstsprachen der Lernenden werden als Ressource einbezogen, nicht als Hindernis betrachtet.
Gezielte sprachliche Hilfestellungen (Scaffolds), die schrittweise abgebaut werden, bis die Lernenden eigenständig arbeiten können.
Gemeinsames Lernen in der Gruppe fördert den aktiven Sprachgebrauch und die kommunikative Kompetenz.
Lehrkräfte erkennen die sprachlichen Anforderungen ihrer Fächer und unterstützen DaZ-Lernende gezielt bei der Fortbildung.
Die DaZ-Didaktik baut auf umfangreicher Forschung auf. Zentrale Konzepte, die auch die Arbeit von InSL e.V. prägen:
Die Förderung von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache ist ein zentrales Ziel der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Verschiedene Organisationen setzen diese Förderung um:
Wir begleiten Sie oder Ihr Kind auf dem Weg zur sicheren Beherrschung der deutschen Sprache - individuell, professionell und wissenschaftlich fundiert.